Bundespräsident Steinmeier will regelmäßigen Dialog mit Muslimen

26.01.2018

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich am Donnerstag erstmals mit Vertretern muslimischer Verbände getroffen und will den Dialog künftig fortführen. Wie aus Teilnehmerkreisen verlautete, ging es in dem auf eine Initiative Steinmeiers zurückgehenden Gespräch unter anderem um die Rolle des Islam in Deutschland, seine Prägung und institutionelle Verankerung. Unmittelbar vor dem Holocaust-Gedenktag am Samstag habe Steinmeier zudem an die Verbandsvertreter appelliert, den Kampf gegen Antisemitismus als gemeinsamen Kampf aller in Deutschland lebenden Menschen zu begreifen.

Steinmeier empfing Vertreter der sunnitisch geprägten Verbände. Unter anderem waren Repräsentanten der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), des Zentralrats der Muslime in Deutschland, des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und des Islamrats im Schloss Bellevue zu Gast. Im Gespräch hätten die Verbände betont, sie wollten keine externen Konflikte in Deutschland austragen, hieß es. Vor dem Hintergrund der türkischen Offensive gegen Kurden in Nordsyrien wächst die Sorge vor gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen auch in Deutschland.

Insbesondere der Verband Ditib ist eng verwoben mit der türkischen Religionsbehörde. Vor dem Hintergrund des angespannten deutsch-türkischen Verhältnisses drang die deutsche Politik auf mehr Unabhängigkeit bei Ditib, die der größte Moscheeverband in Deutschland ist. Intensiv diskutiert wurden im Gespräch mit Steinmeier Teilnehmern zufolge die Schwierigkeiten bei der Ausbildung von Imamen in Deutschland.

Die muslimischen Verbände wollen in Deutschland institutionell anerkannt werden wie die Kirchen und der Zentralrat der Juden. Ihre unklare Mitgliederstruktur gilt als größtes Hindernis bei dieser Anerkennung. Beim islamischen Religionsunterricht an Schulen und Lehrstühlen für islamische Theologie an deutschen Universitäten wurden Hilfskonstrukte geschaffen, um die religiöse Bildung in Deutschland möglich zu machen.

Die Ausbildung deutscher Imame stockt dennoch, unter anderem weil die Verknüpfung in der praktischen Ausbildung zu den Gemeinden fehlt und die Finanzierung unklar ist. Ditib greift in aller Regel auf aus der Türkei entsendete Imame zurück. (epd)

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