Anti-IS-Allianz stellt sich auf langen Kampf ein - Fragen & Antworten

05.05.2016

Mehr als 60 Länder haben sich gegen den IS verbündet. Sie haben zwar einige Erfolge erzielt. Besiegt ist die Terrormiliz aber noch lange nicht. Von Jan Kuhlmann und Michael Fischer

Rund 12.000 Luftangriffe, Ausbildung von tausenden Kämpfern und Waffenlieferungen im großen Stil: Die Allianz gegen die Miliz Islamischer Staat hat seit September 2014 in Syrien und im Irak viel gegen die Ausbreitung der Terroristen getan. Am Mittwoch trafen sich in Stuttgart elf Verteidigungsminister der Koalition um darüber zu beraten, wie es weitergehen soll. «Die Koalition muss und kann mehr tun», sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter anschließend. «Dieser Kampf ist weit von einem Ende entfernt und es gibt große Risiken.»

Wie viele Länder sind an der Koalition gegen den IS beteiligt?

Zu dem Bündnis gehören mehr als 60 Staaten, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Qatar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Wie geht die Allianz gegen die Terrormiliz vor?

Seit Herbst 2014 hat die Koalition nach eigenen Angaben fast 12.000 Luftangriffe gegen den IS in Syrien und im Irak geflogen. US-Spezialkräfte unterstützen im Norden Syriens kurdische Kämpfer. Das US-Militär und seine Verbündeten bilden im Irak außerdem das irakische Militär sowie kurdische Peschmerga-Kämpfer aus.

Bekämpft die Allianz den IS auch in Libyen?

Bislang nicht. Allerdings steht ein Kampfeinsatz gegen die Extremisten in Libyen seit längerem zur Debatte. Der IS hat sich das Bürgerkriegschaos in dem nordafrikanischen Land zunutze gemacht, um dort große Gebiete unter Kontrolle zu bringen. Je mehr der IS in Syrien und im Irak unter Druck gerät, desto mehr dürfte Libyen zu einem Rückzugsgebiet für die Terrormiliz werden.

Gibt es noch andere Länder, in denen der IS erstarkt?

Die Extremisten haben mittlerweile in vielen Ländern Fuß gefasst. Stark sind sie unter anderem auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel, wo die Terrorgruppe «Ansar Bait al-Makdis» («Unterstützer Jerusalems») dem IS einen Treueeid geleistet hat. Auch in Tunesien, im Jemen und in Saudi-Arabien ist die Terrormiliz seit längerem aktiv. Sie bekannte sich außerdem zu Anschlägen in Indonesien und Somalia. Auch für Attentate in der Türkei soll sie verantwortlich sein.

Welche Erfolge hat die Anti-IS-Allianz vorzuweisen?

In Syrien und im Irak ist der IS massiv unter Druck geraten. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus der westirakischen Provinzhauptstadt Ramadi zu vertreiben. Zudem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Allerdings kontrolliert der IS noch immer große Gebiete in Syrien und im Irak. Eine von Bagdad verkündete Offensive auf die nordirakische IS-Hochburg Mossul ist bislang kaum vorangekommen, weil es der irakischen Armee noch immer an Schlagkraft fehlt.

Was trägt Deutschland zur Allianz bei?

Die Bundeswehr lieferte den Kurden im Nordirak seit September 2014 insgesamt 1.800 Tonnen Waffen und Ausrüstung. Dazu zählen 20.000 Gewehre und 1.000 Panzerabwehrraketen. In den nächsten Wochen soll Nachschub kommen. Rund 130 deutsche Soldaten bilden die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Nordirak aus. Zudem unterstützen sechs «Tornado»-Aufklärungsflugzeuge und ein Tankflugzeug die Luftangriffe der internationalen Allianz. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte dem Irak am Mittwoch zudem Hilfe beim Minenräumen zu.

Wie geht es nun weiter?

Die USA sind bereits vorangegangen und haben angekündigt, bis zu 250 zusätzliche Soldaten nach Syrien zu schicken. Sie sollen örtliche Kräfte im Kampf gegen den IS unterstützen.

Und was ist mit den Anderen?

Verteidigungsminister Carter sagte am Mittwoch, er könne sich auch ein Engagement der Nato vorstellen. Denkbar wäre der Einsatz von «Awacs»-Aufklärungsflugzeugen zur Luftraumüberwachung. Bisher hält sich die Nato aus dem Kampf gegen den IS heraus. Ansonsten müssen die einzelnen Mitgliedstaaten selbst entscheiden, wie weit sie mit ihrem Engagement gehen wollen. «Es ist ganz, ganz wichtig, dass wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen», sagte von der Leyen. Für sie gibt es aber eine klare Grenze: Einen deutschen Kampfeinsatz wird es nicht geben. (dpa)

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